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27. Oktober 2003, 15:29 Uhr, rolph

liebe?

angst, nackte angst. trauer und furcht vermischen sich. der geist tritt in den körper über, zittern und kälte. eisig und doch heiss wie flüssiges glas. die möglichkeit zu sehen schwindet, nebel kriecht durch alle ritzen des gehirns. denken wird zur unmöglichkeit, die dinge scheinen nicht länger betrachtenswert – ich werde zum stummen beobachter. ich sehe mich liegen, am boden. ich sehe mich weinen. ich sehe mich im spiegel und denke, bin ich das? bin ich so? mir scheint als ob meine seele zu entweichen drängt. raus aus diesem körper, raus aus dieser stunde. die sekunden brennen sich ein, jede einzelne. unbarmherzig und unerbittlich brennen sich die sekunden in mein gehirn ein. sie sind nur mehr stücke von leben, fratzen, unbrauchbare einzelteile.
ich stehe nackt da. ausgezogen, bin ausgezogen worden. man hat mir die kleider mit einem ruck vom leibe gerissen. die augen der welt betrachten mich, ich kann sie überall fühlen. ich laufe nackt durch die strasse, ob es alle merken? ob sie es trotz meines lächelns bemerken? ich habe angst davor, in meiner einsamkeit bemerkt zu werden.
bin ich etwa zu weit gegangen. war es der freude zuviel. durfte ich nicht davon kosten? ist es mir nicht vergönnt, sicher zu sein. mich fallenzulassen und fallenzulassen?

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25. Oktober 2003, 14:14 Uhr, rolph

licht ohne umriss

ein flackern. kaum lange genug um es zu bemerken. kein blitz, ein lichtstreifen eher. ausblicke wagend, möglichkeiten erkennend. das leben erkennend, den wahren grund erahnend.
diese schwere die dem nebel gleich auf dem herz liegt. wenn sie sich auflöst ist es bereits schon wieder abend. und doch. manchmal seh ich den boden, ganz klar und unverhüllt. die feuchte kühle erde, die ganze wahrheit. jenseits von nebel und sonne. kein sonnenstrahl kann sie erhellen, keine wolke ihr das licht nehmen. sie ist. die wahrheit die erde. kühl und warm liegt sie da. mich zu tragen. -mich tragen lassen.

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24. Oktober 2003, 16:24 Uhr, rolph

neulich mit bach

ich dachte mir - was hab ich mir dabei gedacht. keine drei minuten und ich bin weg. ich folge den tönen rauf und runter, den wundervollen stimmen. ich bin ewig zu spät, unfähig die ganzheit des werkes zu erfahren. zu wissen was vorher ist, was ist, was nachher ist. ich kanns nicht zusammenfügen, es wird nicht eins.
- plötzlich werde ich eins. urplötzlich muss ich nicht mehr denken,

nur füreine kurze sekunde, dann bin ich wieder hier. und doch noch dort. bach ist in mir drin. diese reinen, sphärischen klanggebilde. klang. nachklang.

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17. Oktober 2003, 17:04 Uhr, rolph

conrad lebt

das ist nur eine vereinfachte darstellung des lebens.

die vereinfachte darstellung eines tages. nur ein tag.

kaum einen tag lang hatte es geregnet. und schon glichen die wiesen den seen. das grün der gräser, gräser die sich nicht länger mehr im wind sondern in wellen wiegten. eine scheinbar neue welt tat sich auf. das glitzern wirkte schon sehr echt, fast wie das glitzern eines sees. flüssiges leben, denkt sich conrad. ist das leben da draussen, ist es nötig, dass ich aufstehe? es macht keinen unterschied, das leben ist hier drin wie überall. hier, in mir. was muss ich tun um zu fühlen wie ich lebe, wie fühlt sich leben an? warum hat mir das niemand gezeigt wie man sich fühlen kann. musik. das ist es. wenn ich mich darin verlieren könnte, wäre das dann leben? wenn ich die töne fühle ist mir, als ob ich getragen würde. ist das leben, getragen sein? ach was, so einfach kann es nicht sein.
man sagt, das leben ist überall. in stinkenden haufen, besonders da. alles lebt, fliegt, kriecht und riecht. tausende von leben, tausend leben. fortpflanzung, sterben - ist leben sterben. fühlt man wenigstens das sterben? wenn man doch aber das sterben fühlt, dann muss man das leben auch gefühlt haben, sonst würde man das sterben nicht wahrnehmen. das ist ein beweis. conrad lehnt sich zurück. es tut so gut sich zurückzulehnen.
beklemmend, nicht wahr? conrad ist allein. er ist sich gewohnt nichts zu hören ausser sich selbst, redend, denkend.
diese entspannung, ist sie nicht beklemmend? conrad denkt sich nichts dabei.
seine gedanken kreisen um das nichts, um nichts. es ist anstrengend zu denken, noch anstrengender ist das nicht-denken. das leben ist anstrengend. conrad gibt sich mühe sich nicht diesem gedanken hinzugenben. er scheitert. wie regen prasseln diese gedanken auf ihn ein.
kraft zum aufstehen, kraft zum sitzen bleiben, kraft zum denken, kraft zum nichtdenken. woher nehme ich alle diese kraft, kraft schöpfen braucht kraft. conrad füllt sich, sein kopf füllt sich. wie die wiesen sich füllen.

aber man sagt, das leben ist geschenkt. das leben ist. sein bedeutet leben. man kann nicht nicht leben. man lebt so oder so. conrad verfällt der resignation.

man sagt, leben sei in allem. und alles lebt. und niemand lebt allein, das leben verbindet, das leben ist die verbindung. sinngebend leben. sich dem leben hingeben, sich in seinen dienst stellen. ist diese erkenntnis nicht erleichternd? conrad leert sich. der nebel lichtet sich. conrad lebt.

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